Der erste Satz geriet zu einem packenden Porträt des innerlich zerrissenen Faust, geprägt von stürmischer Leidenschaft und grüblerischer Melancholie. Chernovs Spiel entfesselte eine bemerkenswerte dynamische Bandbreite, von donnernden Akkorden bis zu fast unhörbar leisen Passagen. Der zweite Satz, Gretchen gewidmet, offenbarte eine andere Seite seines Spiels: Mit großer Sensibilität und nuancierter Phrasierung gestaltete er die lyrischen, sehnsuchtsvollen Melodiebögen. Doch die Idylle war trügerisch. Im finalen dritten Satz entfesselte Chernov dann „Mephistos Tanz“ – einen wilden, infernalischen Ritt zum Hexensabbat. Mit atemberaubender Virtuosität und unerbittlicher Präzision trieb er das Stück seinem Abgrund entgegen, bis zum kraftvollen, resonanten Schlussakkord, der das Publikum atemlos zurückließ.
Alexey Chernov, der seit 2022 in Deutschland lebt und bereits als „Resident Artist“ im Beethoven-Haus Bonn wirkte, erwies sich an diesem Abend nicht nur als Pianist von Weltrang, sondern auch als tiefsinniger musikalischer Erzähler. Seine Fähigkeit, die literarischen und emotionalen Programme hinter den Noten aufzuspüren und für das Publikum erlebbar zu machen, ist außergewöhnlich. Der langanhaltende, begeisterte Applaus war der verdiente Lohn für einen unvergesslichen Konzertabend, der die beiden Seelen in der Brust der romantischen Musik auf aufwühlende und faszinierende Weise offenbarte.
Die nächste Gelegenheit, eine Weltklasse Pianistin im Melchiorsgrund zu erleben, bietet sich am Sonntag, 8. März 2026 zu gewohnter Zeit um 17:00 Uhr. Dann wird Diana Sahakyan mit ihrem Programm Ein Traum von Beethoven: Pathétique! Zu Gast sein. Reservierungen sind unter Tel.: 0151-125 855 27 oder per Email unter: möglich möglich

