Der Künstler: Ein aufstrebender Stern am Pianistenhimmel
Rubén Russo, geboren 1997 in Madrid, ist trotz seiner Jugend bereits ein international anerkannter Pianist mit zahlreichen Auszeichnungen. Seine Ausbildung an renommierten Hochschulen in Madrid, Düsseldorf und den Niederlanden bei Professoren wie Iván Cítera, Olga Monakh und Gabrielle Leporatti zeugt von einer soliden und vielseitigen musikalischen Grundlage. Zu seinen Erfolgen zählen der erste Preis beim 47. Wettbewerb Junge Pianisten aus Katalonien sowie Goldmedaillen beim Premier Music International Competition 2021 in Budapest und beim Golden Arts Contest in Valencia.
Im Programmheft beschreibt Russo seine Motivation, für “Weltklassik am Klavier” zu spielen, mit dem Wunsch, eine “enge und ehrliche Beziehung zum Publikum aufzubauen, in der ein Austausch von musikalischer Klarheit und Emotion stattfindet” – ein Anspruch, dem er an diesem Abend voll und ganz gerecht wurde.
Das Programm: Eine Symphonie des Lebens
Das Konzertprogramm war mehr als eine Aneinanderreihung von Walzern. Russo konzipierte den Abend als eine musikalische Metapher auf das Leben selbst – eine “Symphonie” mit all ihren Facetten, vom unschuldigen Beginn bis zum komplexen Finale. In seinen eigenen Worten ist das Leben “nichts anderes als mein eigenes, einzigartiges Musikstück. Den richtigen Rhythmus und die harmonische Balance in der eigenen Geschichte zu finden, ist wie ein wirklich schönes Musikstück zu kreieren.” Die Auswahl der Werke spiegelte diese Idee auf beeindruckende Weise wider.
Die erste Konzerthälfte: Von der Aufforderung zum Tanz zur emotionalen Tiefe
Den Auftakt machte Carl-Maria von Webers “Aufforderung zum Tanz” (J 260), ein Werk, das mit seiner charmanten Erzählstruktur und eleganten Melodik den perfekten Einstieg in den Abend bot. Weber erzählt hier musikalisch die Geschichte einer Ballszene: die höfliche Einladung zum Tanz, das zögernde Annehmen, den Tanz selbst und schließlich den galanten Abschied. Russo durfte hier mit spielerischer Leichtigkeit und perlenden Läufen das Bild eines jungen Lebens zeichnen, das voller Erwartung und Freude ist – der unschuldige Eintritt ins Leben, wie es im Programmheft heißt.
Es folgten zwei Etüden von Frédéric Chopin (op. 25, Nr. 12 und Nr. 1), die den Bogen von dramatischer Virtuosität zu lyrischer Zartheit spannten. Die berühmte c-Moll-Etüde Nr. 12, auch “Ozean-Etüde” genannt, ist ein Sturmwind aus Arpeggien und donnernden Akkorden, der höchste technische Anforderungen stellt. Im starken Kontrast dazu steht die As-Dur-Etüde Nr. 1, die “Äolsharfe”, ein Meisterwerk der Klangmalerei mit ihren schwebenden, harfenartigen Figuren. Besonders in diesem Werk bot sich Raum für feinsinnige Klanggestaltung, die Russo mit seiner sensiblen Anschlagskultur meisterhaft umsetzte.
