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Das Dorf

Melchiorsgrund – damals und heute

Historie

Die Geschichte von Melchiorsgrund begann 1980: Eine Handvoll engagierter Menschen erwarb einen großen, alten Fachwerkhof im Vogelsberg. Unter dem Eindruck der wachsenden Drogenprobleme der Nachkriegsgeneration wollten sie hier einen naturnahen und möglichst selbstbestimmten Lebensort für rauschmittelabhängige und psychisch erkrankte junge Menschen schaffen.

Aufbauend auf Erfahrungen in der anthroposophischen Fachklinik und Lebensgemeinschaft „Sieben Zwerge“ im süddeutschen Salem entwickelten die Gründer das Konzept für ein kulturtherapeutisches Dorf. Im Jahr 1981 erhielt Melchiorsgrund die Anerkennung als Einrichtung der medizinischen Rehabilitation. Schon damals hatten viele Patienten zusätzlich zu ihren Abhängigkeitserkrankungen psychiatrische Diagnosen, gehörten also zum Personenkreis Erkrankter mit sogenannten Doppeldiagnosen.

Ein Dorf entsteht

Da der Renovierungsbedarf des Haupthauses deutlich größer war als zunächst erwartet und eine langwierige Komplettsanierung nötig war, musste zusätzlicher Wohnraum her. Mit einfachen Mitteln und größtmöglichem Eigeneinsatz entstanden bis Anfang der 1990er Jahre mehrere Holzhäuser. Heute umfasst das Dorf zwei Fachwerkgehöfte und neun Blockhäuser. Es gibt einen landwirtschaftlichen Betrieb, die hofeigene Käserei, einen Laden, ein Verwaltungsgebäude mit Teestube und Wintergarten sowie den Werkhof. Zum Werkstatt-Atelierbereich im Werkhof gehören ein Schreinereigebäude und ein Mal-Atelier. Der große Saal bietet Platz für die Theaterwerkstatt und weitere kulturelle Veranstaltungen. Im Arzthaus befinden sich Praxis- und Besprechungsräume, ein Labor und Bäder für medizinische Anwendungen.

Autonomiekräfte stärken

Rund 20 Jahre lang lebten die Patienten mit Ärzten, Therapeuten und weiteren Mitarbeitern sowie deren Familien in einer Lebensgemeinschaft. Etwa zur Jahrtausendwende wandelte sich dieses Konzept. Der Generationswechsel bei den Mitarbeitern, aber auch veränderte Bedürfnisse der Patienten führten zu einer stärkeren Trennung von Leben und Arbeiten: An die Stelle des Zusammenlebens sind Begleitung und Beratung getreten, die im Sinne eines Alltagscoachings die Patienten dabei unterstützen, ihre Autonomiekräfte und Selbstverantwortung zu stärken.

Regionale Vernetzung und Öffnung

Während es in den Anfangsjahren in der Bevölkerung der umliegenden Dörfer sicherlich so manche Bedenken gegenüber der Einrichtung und ihren Bewohner gab, steht Melchiorsgrund inzwischen in gutem Austausch mit der Region. Die konstruktive Zusammenarbeit mit der Bevölkerung in Altenburg errang 2007 den ersten Platz im bundesweiten Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ für das Land Hessen. Im Juni 2015 gab es eine gemeinsame Theaterproduktion mit dem Kulturverein in Hopfgarten anlässlich der 850-Jahrfeier des Dorfes. Mit Rücksicht auf die Mitspieler und Gäste aus Melchiorsgrund entschieden die Bürger, die Feier am Tag der Theateraufführung alkoholfrei zu begehen – ein schöner Ausdruck gelebter Integration und Rücksichtnahme. Einen weiteren Schritt „nach draußen“ stellt die Eröffnung der „Wilden Kuh“ im April 2017 dar: In einem ehemaligen Backshop in Renzendorf betreibt der Melchiorsgrund ein Café und einen kleinen Laden, in dem unter anderem der hofeigene Rohmilchkäse angeboten wird.

Gelebte Inklusion: „Faust“ und mehr

Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein!“

Seit der guten Zusammenarbeit im Rahmen eines großen „Faust“ – Theaterprojekts im Jahr 2015 pflegt Melchiorsgrund eine enge Beziehung mit der Gemeinschaft Altenschlirf, einer anthroposophischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit und ohne Behinderungen. Mehrere Bewohner aus Melchiorsgrund hatten damals tragende Rollen in der Inszenierung übernommen. Anfang 2016 folgte eine Fortsetzung des gemeinsamen Theaterspiels: Mitwirkende aus beiden Einrichtungen begannen mit der Probenarbeit zu Hendrik Ibsens „Peer Gynt“.

Das Drama des Norwegers Ibsen, auch als „nordischer Faust“ bezeichnet, knüpft inhaltlich an den gemeinsam erarbeiteten Goethe-Klassikers an – Ibsen hat darin einen tragikomischen Titelhelden mit tiefen Lebensfragen geschaffen, der durchaus als Repräsentant unserer Zeit gesehen werden kann. In mehr als zehn Workshops erarbeiteten die verschiedenen Beteiligten das anspruchsvolle Werk, zuletzt verpasste eine gemeinsame Intensivwoche am Fuße von Eiger, Mönch und Jungfrau im Berner Oberland der Inszenierung den letzten Schliff. Die Aufführungen fanden schließlich im September 2017 in Melchiorsgrund und Altenschlirf statt.

Kontakt

  • Freie Lebensstudiengemeinschaft Melchiorsgrund
    Melchiorsgrund 1
    36318 Schwalmtal / Hopfgarten
  • 06638 96110

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