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Die Gute Zeit -

Ernst Barlach 2009 /2010

 

Ernst Barlachs Vermächtnisstück „Die Gute Zeit“ bildet die Vorlage für ein internationales Theaterprojekt für junge Menschen aus Deutschland, Polen, dem Kosovo, Österreich, Georgien, Bosnien-Herzegowina.

Der künstlerische Auftakt fand im Rahmen der 20 - Jahres Jubiläumsfeier in Kreisau statt, dann folgten Aufführungen in Deutschland, dem Kosovo und Bosnien. Den vorläufigen Höhepunkt fand das Projekt im Sommer 2010 anlässlich des Sommerfestes im Ernst - Barlach Haus in Hamburg.

 

 

Ein Theaterprojekt auf Reisen

 

Zusammen mit Künstlern aus Georgien, Polen, Kosovo und Bosnien mit vielen Stationen in Europa, startete „Die Gute Zet“ in Kreisau und legte in zwei Jahren mehrere tausend Reisekilometer zurück. Von Ernst Barlach ist bekannt, dass er erst durch die Erlebnisse auf einer Russlandreise zu seiner eigentlichen künstlerischen Tiefe und Reife gelangte und fortan aus einem reichen Fundus des menschlichen Ausdrucks und der menschlichen Gestalt schöpfte. Er ist als bedeutender bildender Künstler bekannt und geachtet, als Dramatiker jedoch durch die finsteren Zeiten Mitteleuropas und die Einordnung seiner Werke als „entartete Kunst“ fast in Vergessenheit geraten. Die Aktualität des Stückes „Die Gute Zeit“ ist jedoch erstaunlich und konnte besonders in den internationalen Begegnungen und Auseinandersetzungen mit den Teilnehmern aus Osteuropa herausgearbeitet werden.

Im Stück „Die Gute Zeit“ stehen sich im Wesentlichen zwei Gesellschaftsformen gegenüber: Auf der einen Seite die Angehörigen der Absoluten Versicherung mit ihrem Anführer Atlas, die gegen alle Risiken des Lebens versichert sind und, gegen entsprechend hohe Prämien, ein kinderloses Leben in Vergnügung und Sinnlichkeit als höchstes Ideal verwirklichen - auf der anderen Seite die einfache Bevölkerung, die in naturgesetzlicher Wirklichkeit und archaischer Tradition und Moral verhaftet ist – Menschen, die sich tagtäglich darum sorgen müssen, ob sie ihre Kinder noch ernähren können, oder ob sie sie lieber aussetzen sollten. Vor diesem gesellschaftlichen Spannungsfeld bemüht sich Celestine (die Himmlische), als Wandlerin zwischen den Welten ihren eigenen Lebensweg, der überschattet ist von der schweren Erbkrankheit ihrer Leibesfrucht, in Würde und Ehrfurcht zu beschreiten. „Die Zeiten sind in uns – und nicht wir in Ihnen“ – dies ist zunächst Erkenntnis und wird im Verlauf des Stückes mehr und mehr zur Handlungsmaxime.

 

 

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